Brandkatastrophe

Aus Tar Sands-Kampagne
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Am 4. Juli 2016 erklärte die Provinzregierung Albertas die Katastrophe[1] für beendet[2], der Waldbrand sei nun unter Kontrolle[3][4][5][6]. Am Tag davor war den Brandgefahr-Karten des Canadian Wildland Fire Information System zufolge noch ein mittleres bis hohes Risiko in weiten Gebieten der Region festgestellt worden; einen Tag später wechselt die Gefahrenanalyse auf "niedrig" - so wurde der Flächenbrand offiziell als beendet kategorisiert[7]. Seit Mitte Juni[8] war die Lage bereits von "außer Kontrolle" auf "being held"[9] umbezeichnet worden, um zuletzt Anfang Juli als "unter Kontrolle" eingestuft zu werden. 589.955 Hektar, davon 589.552 Hektar in Alberta,[6][5] hat die Feuersbrunst verschlungen, seit dem letzten Beitrag im grünen blatt also noch einmal über 150.000 Hektar mehr. Ab Mitte Juni hatten Regen und kühlere Temperaturen dazu beigetragen das Feuer einzudämmen. Auf seinem Höhepunkt fraß sich der Brand 30-40 Meter pro Minute durch die Landschaft. Die Suche nach Brandherden und deren vollständige Auslöschung dagegen soll noch bis Sommer 2017 andauern, so Laura Stewart, Sprecherin der Waldbrandbekämpfung in Alberta am 5. Juli. Die Brandursache ist noch immer ungeklärt, es wird allerdings von einem menschlichen Auslöser ausgegangen.[10][11][12]



Aus aktuellem Anlass berichten wir hier von dem verheerenden Waldbrand, der Anfang Mai 2016 die Region der inoffiziellen Tar Sands-Hauptstadt[13] Fort McMurray heimsuchte. Am 1. Mai startete es südwestlich der kanadischen 78.000-Einwohner*innen-Stadt[14] Fort McMurray, die formal den Status einer "Urban Service Area" hat[15], eine Sonderform von Verwaltungseinheit in Alberta[16]. Zwei Tage später erfasste es das Stadtgebiet, wo mehr als 2.400 Gebäude (über 10 % aller Häuser[17]) zerstört wurden. Es wird spekuliert, dass dieser Waldbrand zur teuersten Naturkatastrophe in der Geschichte Kanadas werden könnte, falls die Hochrechnungen der Versicherungsgesellschaften zutreffen, die von Schäden in Höhe von etwa 9 Milliarden Kanadischer Dollar[18] ausgehen[19]. Schon jetzt handelt es sich um die größte Waldbrand-Evakuierung, die Kanada jemals erlebt hat[20][21].[22]

In Vice News beschreibt Matt Smith Vorgänge im Verlauf der Brandkatastrophe als "apokalyptische Szene": "Zehntausende fliehen vor einem heraneilenden Flächenbrand - und haben Probleme, das nötige Benzin zu bekommen - im Herzen von Kanadas Oil Patch."[23] Kanadische Rettungskräfte setzten Tanklaster auf dem Highway 63 für gestrandete Flüchtende ein - tausende PKW hatten hier versucht, den Flammen zu entkommen[24]. Von der Katastrophe sind auch verschiedene kleine indigene Communitys betroffen[25], u.a. die Athabasca Chipewyan First Nation (ACFN), deren Mitglieder nicht nur in den teils von der Evakuierungsanordnung betroffenen Reservaten, sondern auch in Fort McMurray und anderen Siedlungen gelebt hatten[26].

Neben der Fort McKay First Nation stellten auch diverse Ölkonzerne[27][28][29] Flächen nördlich der brennenden Stadt für die Aufnahme Evakuierter zur Verfügung[30]. - Zur Erinnerung: Die Fort McKay First Nation kämpfte über mehrere Jahrzehnte vehement gegen die Ölindustrie, die sich (vermutlich rechtswidrig) große Gebiete ihrer "traditional lands" aneignete und die lokale Natur zur Ausbeutung der Bodenschätze zerstörte. Ohne jegliche Unterstützung durch die sich damals am Pelzhandel der indigenen Community störenden kanadischen Öko-NGOs gab der Chief der First Nation schließlich den hoffnungslosen Kampf auf. Nun wurden indigene Unternehmensgründungen gestartetet, um zumindest durch Dienstleistungen für die Ölindustrie einen kleinen Teil der Gewinne aus dem Ölgeschäft der leidenden Community zukommen zu lassen. Viele Indigene arbeiten heute (unter schlechterer Bezahlung als die Nachfahren der weißen Siedler*innen) für die Ölkonzerne, weil es nahezu keine Beschäftigungsalternativen gibt, der Einfluss der Industrie auf die indigene Kultur und traditionelle Nahrungsbeschaffung aber marktwirtschaftliche Zwänge beschert hatte.

Zum Zeitpunkt der Produktion dieser Ausgabe des grünen blatts ist das Feuer noch immer nicht vollständig gestoppt. Bislang sind 423.000 Hektar Fläche verbrannt[31], zwei indirekte Todesopfer aus einem Verkehrsunfall im Evakuierungschaos wurden bisher erfasst[18]. Etwa 88.000 Menschen mussten evakuiert werden - großteils über den einzigen, die Stadt mit anderen Teilen Albertas verbindenden Highway 63, der teilweise ebenfalls vom Brand erfasst war[32], nachdem das Flächenfeuer ihn am Nachmittag des 4. Mais südlich Fort McMurrays überquert[33][34] hatte. Einige Tausend Menschen mussten auf dem Luftweg in Sicherheit gebracht werden[24]. Die Regierung Albertas sagte für die Evakuierten finanzielle Unterstützung in Höhe von 1.250 Kanadischer Dollar pro Erwachsenem und 500 Kanadischer Dollar für Kinder in Form von Debitcards[35] zu. In den ersten Wochen wurden bereits 65,7 Millionen Kanadische Dollar an Opfer der Katastrophe ausgeteilt[36][37]. Insgesamt wurden zunächst 200 Millionen Kanadische Dollar aus dem Desasterbewältigungs-Programm DRP für die Gemeinden und ihre Einwohner*innen bereitgestellt, welche vorsorglich bereits für den 2016er Haushalt der Provinz für Notsituationen eingeplant worden waren[24].

Mindestens eine Tankstelle der hier die Tar Sands ausbeutenden Konzerne explodierte[32][34], als das Feuer Besitz von der Stadt ergriff.[22] Neben den offenkundigen Gefahren durch die Feuer stellen die Rauchwolken, die sich von Fort McMurray in südöstlicher und östlicher Richtung über bis zu 3.400 Kilometer ausgebreitet haben und dabei Auswirkungen bis in südliche Gebiete der USA zeigen, eine akute Gesundheitsgefahr für die betroffenen Menschen dar[24][38][39]. Mehr noch als bei gewöhnlichen Waldbränden dürfte das Feuer Schadstoffe einschließlich Quecksilber, andere Schwermetalle, und "polycyclic aromatic hydrocarbons (PAHs)" mobilisiert haben, die sich zuvor infolge der industrie- und siedlungsbedingten Luftverschmutzung auf Bäumen und in den Böden abgesetzt hatten. Auf dem Höhepunkt der Katastrophe haben die Einwohner*innen Fort McMurrays wahrscheinlich "die Lungen voller Toxine geatmet", so Wissenschaftler der Universität von Alberta David Schindler. Die giftigen Partikel in der Luft können zu schweren Lungenschäden führen. Forstökologin Ellen Macdonald, ebenfalls von der Universität von Alberta in Edmonton, zufolge wird dieses außergewöhnlich heftige Feuer auch massive Auswirkungen auf das Ökosystem haben[40].

Ablauf der Ereignisse

Zuerst wurde der Waldbrand mit der Seriennummer "MWF-009" (9. Waldbrand der Saison im Gebiet Fort McMurrays) von einer Mannschaft des Ministeriums für Landwirtschaft und Forstwirtschaft am Sonntagmorgen des 1. Mai lokalisiert. Zunächst wurde nichts bemerkenswertes daran befunden, obwohl bereits 500 Hektar außer Kontrolle[33] 15 Kilometer[22] im Südwesten der Stadt brannten und alle Voraussetzungen für einen katastrophalen Flächenbrand inmitten dichten borealen Waldes erfüllt waren: heißes trockenes Wetter, starke Winde und geringe Luftfeuchtigkeit. Im Gegensatz zum nächsten registrierten Waldbrand der Region, MWF-010, der schnell gelöscht werden konnte, stellte sich Nummer 9, nach seinem Ausgangsort als "Horse River Fire" bezeichnet[22], als schwer zu bekämpfen heraus. Mehr als 2.200 Feuerwehrleute, bis zu 208 Helikopter, bis zu 29 Feuerlöschflugzeuge und eine riesige Flotte diversen anderen schweren Gerätes zur Brandbekämpfung waren im Einsatz[36] - darunter zur Unterstützung gesandte Kräfte aus den kanadischen Provinzen Manitoba, Quebec, Saskatchewan und Ontario[22]. Zeitweise wurden auch Militärmaschinen zur Unterstützung der Rettungskräfte angefordert[30]. In der Zeitung "The Globe and Mail" wird der Manager der Forstwirtschaft Fort McMurrays zitiert, es sei ein "sehr komplexes Feuer mit vielfachen Fronten und explosiven Begleitumständen". Die Brandursache ist bis heute nicht aufgeklärt - sowohl menschliche Auslöser als auch natürliche Phänomene wie Blitzschlag könnten die Katastrophe ausgelöst haben[41].[32]

Eine Karte der Brandherde und des Ausbreitungsgebietes des Feuers zeigt, dass nahezu das ganze Stadtgebiet von den immer wiederkehrenden Bränden überrollt wurde. Lediglich ein kleiner Stadtkern und ein südlicher Zipfel scheinen verschont geblieben zu sein. Wie "The Globe and Mail" berichtet, wurden alle Kräfte aufgewandt, um Schlüsselinfrastruktur zu retten - so z.B. den Flughafen der Stadt und die Innenstadt. Bis zum Morgen des 5. Mai hatten sich inzwischen auch fern des Hauptbrandgebietes unzählige kleinere Brandherde sowie ein weiterer Flächenbrand südöstlich und östlich von Fort McMurray gebildet. Bereits in die südlich von Fort McMurray gelegene Siedlung Anzac evakuierte Menschen mussten ein weiteres mal vor den sich nähernden Flammen gerettet werden. Einen Tag später hatten sich die Brandflächen nochmals vervielfacht und umfassten nun auch mehrere riesige Flächenbrände. Die Ausbreitungsrichtung war im wesentlichen der Südosten von Fort McMurray, aber auch ein großes Gebiet weiter im Osten der Stadt.[32] Insgesamt waren in den ersten zwei Maiwochen bis zu 49 Flächenbrände gleichzeitig aktiv[24].

Aufgrund der Entwicklung einer eigenen Wetterlage einschließlich Blitzschlägen und Feuerwolken[42], die besonders hohe rußhaltige Wolken umfassen, die zu massiven Stürmen und Gewittern führen und weitere Flächenbrände auslösen kann[43], wurde der Brand seit dem 4. Mai als "Feuersturm" klassifiziert. Durch die starke Hitzeentwicklung steigt heiße Luft über dem Brandherd hoch empor und zieht aufgrund des entstehenden Kamineffekts Frischluft nach sich, die wiederum das Feuer weiter anfacht[44].[22]

Derzeit haben sich die Brände bis auf etwa 5 Kilometer an die Provinzgrenze westlich von Saskatchewan vorgearbeitet[31]. Wissenschaftler*innen, Greenpeace und andere Quellen gehen davon aus, dass es Wochen oder gar Monate[18] dauern wird, bis das Feuer gelöscht ist[22][40][45]; vermutlich werden es erst naturbedingte starke Regenfälle sein, die es letztlich endgültig ersticken.[19] Ellen Macdonald befürchtet, dass das Feuer trotz Regen in der dicken Torfschicht weiter glimmen und einige Hotspots monatelang überleben könnten, die dann im wieder trockeneren Herbst erneut entfacht werden könnten und neue Waldbrände auslösen würden[40].

Hintergründe

Bis zur zweiten Mai-Woche hatte Alberta bereits 329[24] Waldbrände in diesem Jahr erlebt[46]. Greenpeace zufolge sei vor allem bedenklich, dass die heißesten Monate erst noch bevorstehen. Der Tag, an dem das Horse River Fire begann, stellte einen Temperaturrekord für den Monat Mai in Fort McMurray dar: 32,6 °C - das sind etwa 20 °C mehr als durchschnittlich zu dieser Jahreszeit zu erwarten und immerhin 4,8 °C mehr als der bisher gemessene Höchstwert im Jahr 1945.[19] Der Frühling ist damit etwa einen Monat früher gekommen als gewöhnlich, ebenso begann die Waldbrandsaison statt wie normalerweise zu Anfang April bereits am 1. März[46].

"Wir haben schon höhere Brandgeschwindigkeiten und größere Flächenbrände erlebt", erläutert Chad Morrison, Manager der Waldbrandbekämpfung in Alberta, gegenüber The Guardian, "doch seine Auswirkungen und wo es sich ausgebreitet hat - das ist definitiv neu in der Geschichte. Ich glaube nicht, dass wir jemals eine Gemeinde dieser Größe und Bedeutung hatten, die einem Waldbrand dieser Größe und Bösartigkeit ausgeliefert war."[42]

Waldbrandexperte Mike Flannigan von der Universität von Alberta zufolge führten die warmen Wetterbedingungen dazu, dass Brandherde, sobald sie sich einmal festgesetzt hatten, im Untergrund schwelen konnten, sodass irgendwann aufkommende Winde sie immer wieder aufleben ließen[42]. Einige Feuer seien bis zu zwei Meter tief in den Untergrund gebrannt, so dass Feuerwehrleute die Brandherde regelrecht ausgraben oder den Untergrund mit Wasser fluten mussten. Es sei zu befürchten, dass die Region dieses Jahr eine sehr intensive Waldbrandsaison erleben wird.[46]

Die Tar Sands-Vorkommen waren dagegen wenig gefährdet selbst in Brand zu geraten. Zum einen, weil der überwiegende Teil davon in tiefen Bodenschichten liegt und nur über Bohrungen extrahiert wird, wodurch sie nicht so leicht Feuer fangen und dann nicht so stark brennen können, zum anderen aufgrund der schwereren Entzündlichkeit des in Sand gebundenen Bitumens, selbst wenn es per [[Abbau der Tar Sands|Tagebau] erschlossen ist und damit genügend Sauerstoffzufuhr erfährt. Im Gegensatz dazu hätten die oberirdischen Anlagen und Infrastruktur der Ölkonzerne in Brand geraten können. Der größte kanadische Ölkonzern Suncor hatte sich auf derartige Feuerkatastrophen bereits eingestellt und war dadurch in der Lage, ein auf das Gelände zukommendes Feuer durch Einsatz schwerer Maschinen wie Bulldozern zu stoppen, welche die Vegetation beseitigt und eine Feuerschneise angelegt hatten. Außerdem waren neben Tausenden Sensoren auch Sprinkleranlagen zum Schutz des Geländes installiert worden.[47]

Kritik nicht erwünscht

"Das Feuer in Fort McMurray ist eine Tragödie, die kein Mensch und keine Gemeinde zu ertragen haben sollte." (NGO-Statement)[48]

Inhaltliche Kritik zu diesem Zeitpunkt, insbesondere die Thematisierung der Wechselwirkung zwischen Fort McMurrays Tar Sands-Industrie und Klimawandel, wird von verschiedenen Seiten als pietätlos betrachtet[22]. Die Direktoren von Greenpeace Kanada und neun andere Umwelt-NGOs gaben vor diesem Hintergrund am 6. Mai eine gemeinsame Erklärung zum Großbrand in Fort McMurray heraus, in der insbesondere zu Spenden an das Rote Kreuz[49] zur Unterstützung der Evakuierten aufgerufen und außerdem festgestellt wird: "Dies ist nicht der Zeitpunkt für Schuldzuweisungen. Es ist der Zeitpunkt zusammen zu stehen und dafür zu sorgen, dass die Menschen sicher sind und gut versorgt werden."[48] Auch andere gegen die Tar Sands-Industrie Kampagnen führende NGOs, wie der kanadische Sierra Club, drückten in erster Linie Solidarität aus und deuteten die Zusammenhänge mit der die ganze Region direkt und via Klimawandel austrocknenden Industrieaktivitäten lediglich am Rande an[50]. Trotzdem sollte ein kritischer Blick auf die Vorgänge und Hintergründe erlaubt sein...

Greenpeace-Kanada-Campaigner Mike Hudema weist darauf hin, dass dieser und die große Zahl in diesem Jahr in Alberta bereits registrierten Waldbrände wahrscheinlich Auswirkungen des Treibhauseffekts sind und dass die Region um Fort McMurray durch die Eingriffe der letzten Jahrzehnte bereits prädestiniert war. Der Einfluss des Klimawandels auf die Vermehrung und Verstärkung der Flächenbrände wird auch von Prof. Judith Kulig von der Universität von Lethbridge bestätigt[46]. Wissenschaftlern der Universität von Alberta in Edmonton zufolge ist mit weiteren Katastrophen dieser Art und einer steigenden Häufigkeit zu rechnen. "Waldbrände waren immer Teil des natürlichen Kreislaufs", so Hudema. "Was wir nicht länger bestreiten können, ist dass wir uns weit außerhalb der natürlichen Abläufe bewegen." Das Forstministerium der Nachbarprovinz British Columbia sagt im Entwurf seines Klimawandel-Waldbrand-Aktionsplan voraus, dass die Größe der Flächenbrände von durchschnittlich 7.961 auf 19.076 Hektar wachsen wird und dass sich die Schwere der Feuer um 40 % im Frühling und 95 % im Sommer steigern wird. Auch soll sich die Länge der Waldbrandsaison um 30 % ausdehnen.[19]

Rettung der Ölbetriebe

Erwartungsgemäß wurde ein Großteil der Rettungskräfte zum Schutz der Investitionen der Ölindustrie eingesetzt. So bestätigte beispielsweise Albertas Waldbrandbekämpfungs-Manager Chad Morrison, Feuerlöschflugzeuge, Helikopter und Bulldozer seien eingesetzt worden, um die Stammbetriebe der kanadischen Tar Sands-Konzerne Suncor und Syncrude vor der Feuerwalze zu bewahren.[18] Diese Firmen haben ihren Sitz aber im Norden Fort McMurrays, wo so gut wie nichts von der Feuerkatastrophe ankam.

Zuallererst wurde der Highway 63 wieder für die Tar Sands-Industrie freigegeben, "um Arbeitern und Zulieferern der Ölsand-Betriebe die Rückkehr und Wiederaufnahme der Produktion zu ermöglichen", während der öffentliche Zugang weiterhin verwehrt blieb[17]. Die südlich von Fort McMurray auf den Highway 63 treffende zweite Verbindungsstraße aus der Region in den Zentralteil der Provinz, Highway 881, wurde aufgrund der Waldbrände auf den nördlichsten etwa 100 Kilometern[51] ebenfalls gesperrt.[24]

Unzähligen Fahrzeugen war auf der zum Teil hunderte Kilometer weiten Flucht aus der Ölstadt[18][30] Fort McMurray in südliche und nördliche Richtung das Benzin ausgegangen, sodass sie am Straßenrand stehen gelassen wurden. Die kanadische Polizei tankte sie für die Besitzer kostenlos auf, nachdem sie im Zuge der Aufräumarbeiten abgeschleppt worden waren. So sieht Service für eine reiche katastrophengeschädigte Industrieregion aus, die bis letztes Jahr noch als florierendste Stadt Kanadas galt - die steigenden Profite aus der Tar Sands-Industrie hatten als einzige ernste Herausforderungen das ungezügelte Wachstum, die Wohnungsnot und daraus resultierende soziale Probleme erscheinen lassen[33].[24]

Die Stadt Fort McMurray selbst wird im Gegensatz zur Ölindustrie, die bereits innerhalb der nächsten Tage bis Wochen wieder auf Höchstleistung gebracht werden soll, noch für längere Zeit[35] nicht bewohnbar sein. Konkrete Angaben zum Zeitraum, bis Betreten oder gar Bewohnen der Region wieder erlaubt wird, wollte die Regierung Albertas bisher nicht machen. Selbst die Bewohner*innen unzerstörter Häuser dürfen vorerst nicht zurück. Zunächst muss die Infrastruktur einschließlich Schulen, Gesundheitsversorgung, Behörden und Polizei wiederhergestellt werden; ebenso muss erst die lokale Verwaltung wieder eingerichtet werden[37]. Außerdem ist das Stromnetz der Stadt beschädigt, die Erdgasversorgung wurde abgestellt und das Trinkwasser ist kontaminiert. Einige Evakuierte werden im Nachrichtenportal CNBC International zitiert, sie rechneten erst einmal damit, für ein Jahr woanders leben zu müssen. Dass die Einwohner*innen Fort McMurrays letztlich trotz der zur Zeit desaströsen Lage zurückkehren würden, ist sich der städtische Pressearbeitsmitarbeiter Curtis Philipps nach einer Ansprache in einem der Auffanglager sicher, denn die würden schon allein von der Aussicht auf hohe Löhne und weitere Vorteile angezogen werden.[18]

Sofern die derzeit noch unvollständigen Informationen korrekt sind, wurden neben den Tausenden Wohnhäusern auch der historisch wertvolle "Heritage Park", eine Museums-Siedlung aus vielzähligen Blockhäusern aus der Siedlerzeit, sowie das Oil Sands Discovery Center, das Propaganda-Museum der Tar Sands-Industrie, von dem diverse in diesem Artikel verwendete Bilder stammen, vom Horse River Fire erfasst[32]. Auf den Internetseite der Tar Sands-Lobbyeinrichtung und des Heritage Parks ist bisher zu deren Status allerdings noch nichts zu erfahren[52][53]. Auf einem NASA-Satellitenbild deuten die grünen Flecken an der Stelle, wo deren Gelände sein müssten, inmitten brauner verbrannter Flächen, darauf hin, dass Rettungskräfte speziell diese Orte geschützt hatten[54].

Auswirkungen auf Tar Sands-Unternehmen

Die in einem früheren Teil dieser Artikelserie beschriebene Tar Sands-Industrieanlage von Syncrude etwa 35 Kilometer im Norden Fort McMurrays[18] wurde am 7. Mai vorläufig stillgelegt[22][27] und etwa 1.500 Beschäftigte von dort auf dem Luftweg evakuiert.[24] Der Betrieb zweier Syncrude-Abbaue und des Upgraders, der unter enormem Energieaufwand und Schadstofffreisetzung aus dem gewonnenen Bitumen synthetisches Rohöl herstellt, wurden auf Minimalbetrieb umgestellt. Auch der größte im Tar Sands-Geschäft aktive kanadische Ölkonzern Suncor, der einen weiteren Tagebau 25 Kilometer nördlich Fort McMurrays[55] betreibt, dessen Südflanke vom Flächenbrand erfasst wurde,[47] teilte die Stilllegung von Betriebsteilen[56] bzw. reduzierte Produktionsmenge und die Ausfliegung von Mitarbeiter*innen mit.[27]. Shell Canada legte alle in der Region operierenden Betriebe bis auf den Minimalbetrieb in seiner 60 Kilometer nördlich von Fort McMurray gelegenen "Albian Sands"-Mine still[28]. Ein weiterer Tar Sands-Konzern, Husky Oil, verringerte seine Produktion um zwei Drittel auf täglich 10.000 Barrel.[41]

Aufgrund der Marktsituation waren zuvor einige sehr kleine Demonstrationsanlagen geschlossen worden, mehrere neue Abbauvorhaben wurden ausgesetzt sowie die Ausweitung schon bestehender Betriebe abgebrochen.[41]

Industrieangaben zufolge wurden infolge des Feuers etwa 1 Million Barrel Öl pro Tag weniger extrahiert[22]; aber das Wiederanfahren der Produktion beginnt bereits[17], peinlicherweise von Shell-Oil Sands-Vizepräsidentin Zoe Yujnovich damit gerechtfertigt, dass der Konzern nur so in der Lage sei, den Rettungskräften ein bisschen Benzin zu geben - obwohl die Tar Sands-Industrie hier im wesentlichen Bitumen fördert und im besten Falle synthetisches Rohöl produziert, das erst noch für den Einsatz in Fahrzeugen veredelt werden muss[57].

Leider werden die hierdurch bewirkten massiven CO²-Reduktionen von den freigesetzten Treibhausgasen infolge der Flächenbrände vermutlich wieder wettgemacht. Wie im Atomsektor scheint einzig die wirtschaftliche Seite - der mögliche Bankrott der Firmen infolge langer Stillstandszeiten nach dem Feuer - eine realistische Chance auf dauerhafte CO²-Minimierung darzustellen.

Im Süden Fort McMurrays wurden einige Ölindustrie-Betriebe vom Feuer überrollt, was Suncor-Direktor Williams zufolge bei dieser Art Brand in der Regel wenig Auswirkung auf die eigentlichen Anlagen habe, aber noch zu prüfen sei.[17]

Die unkonventionelle Ölindustrie hatte zuvor zwar mit fallenden Ölpreisen auf dem Weltmarkt zu kämpfen, das hatte aber keine relevanten Auswirkungen auf die Betriebe. Erst das Horse River Fire bewirkte nun die starke Drosselung der Produktion in mehreren Tar Sands-Betrieben und in einem Fall gab ein Unternehmen die Einstellung seiner Aktivitäten bekannt. Konkrete Zahlen wollte die Lobbyorganisation der Industrie, die "Canadian Association of Petroleum Producers", nicht geben und zog sich darauf zurück, derzeit nur auf die Evakuierungsmaßnahmen zu blicken. "Niemand kann sagen, wie lange die verminderte Produktion anhalten wird, ebenso wenig, wie jemand prognostizieren kann, wann das Feuer sich ausbrennen wird", resümiert die New York Times. Allerdings sei klar, dass dies erhebliche Auswirkungen auf die kanadische Wirtschaft haben wird, da die Tar Sands-Industrie derzeit 2,1 Millionen Barrel der kanadischen Tagesproduktion von 3,9 Millionen Barrel ausmacht - wovon fast alles in die USA abgeleitet wird.[41]

Albertas Premierministerin Rachel Notleys sagte in ABC News, dass "Tausende Kanadier*innen einschließlich Ölunternehmen und Regierungen" schwer darunter zu leiden hätten, wenn die Tar Sands-Industrie nicht wieder zu vorigen Höchstleistungen angekurbelt würde. "Wir werden schnellstmöglich wieder zur Normalität zurückkehren", so Notley gegenüber ABC News.[17] Nach seinem überfälligen Besuch der Krisenregion fast zwei Wochen nach Ausbruch der Katastrophe versprach Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau "erhebliche Bundesmittel" für die "Wiederbelebung und den Wiederaufbau der Ölsand-Stadt"[45].

Der größte Teil der Tar Sands-Betriebe der Region beutet die Natur nördlich von Fort McMurray aus, aber einige operieren auch im Süden, wo das Feuer seine Hauptschneise zog. So musste aufgrund des sich nähernden Waldbrandes beispielsweise der Betrieb "Long Lake project" des Sub-Unternehmens Nexen des chinesischen Ölkonzerns CNOOC eingestellt werden. Dies ist einer der bisher bestätigten von Feuerschäden betroffenen Betriebe der Ölindustrie[18]. Aber auch Unternehmen im Norden mussten ihre Produktion reduzieren - einerseits wegen der auf ein Minimum reduzierten Belegschaft von Betrieben, die soviele Arbeiter*innen wie nur möglich evakuieren wollten, andererseits aufgrund der limitierten Transportmöglichkeiten, die sich durch die Stilllegung der Pipelines in den Süden ergaben. Diese befinden sich in der Regel direkt am Straßenrand des vom Feuer ebenfalls überrannten Highway 63. Zu schaffen machten der Industrie auch einmal mehr die begrenzten Verkehrskapazitäten: Normalerweise führt von Fort McMurray nur eine Straße (Highway 63) in den Süden, von der dann als zweite Option ebenfalls in südliche Richtung der Highway 881 abzweigt. Außerdem gibt es eine "Winterstraße" in den Norden der Provinz, die aber durch Feuchtgebiete führt und daher nur bei starkem Bodenfrost befahrbar ist. Aufgrund der Jahreszeit ist die Winterstraße derzeit überhaupt nicht nutzbar, während die beiden Highways vom Feuer zeitweise komplett unzugänglich gemacht wurden und insgesamt zumindest extrem limitiert in ihren Transportkapazitäten waren. Die Abbaugebiete und Industrieanlagen sind daher quasi vom Rest Albertas abgeschnitten. Die Kapazitäten alternativer Luft- und Wasserwege sind zu stark beschränkt, um die Operation solch gigantischer Betriebe zu gewährleisten.[41]

Einfluss des Klimawandels

Einige Millionen Tonnen CO² wird das Horse River Fire schätzungsweise in die Atmosphäre freigesetzt haben. Verglichen mit den 2014 im Einflussgebiet Albertas abgegebenen 274 Millionen Tonnen, die überwiegend aufs Konto des Energiesektors gehen - wo die Ölindustrie extrem dominiert - ist der globale Klimaeinfluss des Waldbrandes kaum erheblich, bestätigt auch Waldbrandexperte Prof. Dr. Mike Flannigan. Wenn allerdings noch viel Torfboden mitverbrennt, könnten die CO²-Emissionen doch noch Signifikanz gewinnen.[40]

Nordwestkanada hat sich im Vergleich zum Rest des Landes in den letzten Jahren stärker erwärmt, berichtet Matt Smith in seiner Reportage zum Klimaeinfluss auf die Brandkatastrophe in Alberta. Dadurch sind Pflanzen und abgestorbenes Gehölz trockener geworden, während umliegende Feuchtgebiete ebenfalls austrocknen und zu Zunder für entstehende Waldbrände werden. Gleichzeitig sorge das wärmere Wetter für mehr Blitze, die derartige Feuer entzünden können. Waldbrand-Experte Flannigan weist darauf hin, dass einer aktuellen Studie zufolge eine Temperaturerhöhung von nur 1 °C zu 12 % mehr Blitzeinschlägen führt. Obwohl nur etwa 3 % der beobachteten Waldbrände zu Zerstörungen über 200 Hektar führten, seien diese wenigen Feuer doch für 97 % der vernichteten Flächen verantwortlich. Und es wird schlimmer: "Im Augenblick erleben wir zwei oder drei wirklich schlimme Waldbrandjahre pro Jahrzehnt, aber bis zur Mitte dieses Jahrhunderts erwarte ich fünf schlimme Jahre pro Jahrzehnt", erklärt Flannigan den Vice News.[23]

Ökologische Auswirkungen

Eigentlich ist die von der Brandkatastrophe heimgesuchte Region sehr feucht - es handelt sich schließlich um Boreale Wälder und große Feuchtgebiete; die Gegend wird von einem Netz vieler kleinerer und größerer Gewässer durchzogen. Insofern ist es verwunderlich, dass sich ein solch gewaltiger Flächenbrand ereignen kann. Andererseits war die Natur bereits in den letzten Jahren auffällig trockener als gewöhnlich, was vor allem auf Klimaveränderungen im Zuge des Klimawandels zurückgeführt wird.[40] Allerdings dürften auch die vielzähligen und oftmals großflächigen Eingriffe der Ölindustrie und die mit ihr einherkommenden Erschließungen mit all den Zufahrtswegen, Zuliefererbetrieben, Zuzug von Arbeiter*innen mit Familien und der dafür notwendige Ausbau der Infrastruktur Einfluss gehabt haben. Für typische Tar Sands-Abbaue werden zuallererst umfassende Entwässerungen der Moore vorgenommen - die sich auf die Grundwassersituation weitflächig auswirken. Das lokale Klima ist aufgrund der Industrieaktivitäten, aber auch durch die gewöhnlichen Siedlungseffekte, wärmer geworden.

Da im Zuge der langandauernden und weitreichenden Brände nicht nur die Gehölze an der Oberfläche abgebrannt sind, sondern auch das Wurzelwerk bis in mehrere Meter Tiefe abgetötet wurde, wird das Ökosystem erheblich länger benötigen, um sich von dem Waldbrand zu erholen, als das sonst der Fall ist. Auch die Artenvielfalt wird sich verändern, spekuliert Forstökologin Macdonald gegenüber The Guardian.[40]

Die Toxine, die durch die Katastrophe freigesetzt wurden, haben sich mit der Asche abgesetzt, welche mit den ersten heftigen Regenfällen als giftiger Schlamm in die Flusssysteme und letztlich in den Athabasca River gespült werden, erklärt Wasserexperte Schindler. Schon jetzt ist der Athabasca River durch die Unmengen von Schadstoffen belastet, die von der Tar Sands-Industrie kontinuierlich in die Umwelt abgegeben werden, was durch die vom Feuer mobilisierten Schadstoffe noch verschlimmert wird, erklärte Ökologe Kevin Timoney im Guardian. Die Auswirkungen auf Fische und andere Wasserorganismen seien nicht abzuschätzen.[40]

Nicht zu vergessen sei der toxische Müll, der nach der Brandkatastrophe bleibt, erinnert Timoney. Berge kontaminierten Schutts, verbrannte Autos und Häuser, zerstörte Infrastruktur, nach wochenlangem Stromausfall mit vergammelten Lebensmitteln gefüllte Kühlgeräte etc. seien zu entsorgen. Einiges könne vielleicht noch irgendwie verwertet werden, aber die Berge des verbleibenden Mülls werden eine Herausforderung für die Gemeinde Fort McMurray werden.[40]

Kosten

Nach Angaben des Insurance Bureau of Canada war das "Horse River Fire" mit 3,58 Mrd. Kanadischer Dollar die teuerste versicherte Katastrophe in der Geschichte Kanadas. Der zweitgrößte Katastrophenschaden für Kanadas Versicherungen stellten 2013 die Überschwemmungen im südlichen Alberta dar, wo Kosten in Höhe von 1,7 Milliarden Kanadischer Dollar entstanden waren.[58] Damit werden die anfangs befürchteten 9 Milliarden[59] zwar nicht erreicht, aber noch sind die Schäden lange nicht behoben und die Kosten können noch steigen. Bislang wurden den Versicherungen etwa 27.000 private Schadensfälle angezeigt, dazu 5.000 Unternehmensschadensfälle sowie 12.000 fahrzeugbezogene Versicherungsfälle.

Lohnkostenübernahme kleinerer Betriebe wurde vom Bezirk Wood Buffalo in Höhe von 15 Millionen Kanadischer Dollar zugesagt, zusätzlich hat die Provinzregierung Albertas zusammen mit dem Kanadischen Roten Kreuz[60] bis zu 20.000 Kanadische Dollar pro Kleinunternehmen für die Erstattung von Brandschäden versprochen.[61]

Bewohner*innen der evakuierten Gebiete erhalten als Entschädigung einmalig pro Erwachsene*r 1.250 bzw. pro Kind 500 Kanadische Dollar von der Provinzregierung. Desweiteren wurden Steuern für den Zeitraum des Notstands reduziert oder ausgesetzt[62]. Zusätzlich zahlt das Kanadische Rote Kreuz als zentraler Spendensammler für die Katastrophenhilfe beim Horse River Fire pro evakuierte*r Erwachsenen 600 und pro Kind 300 Kanadische Dollar aus[63].

Wiederinbetriebnahme

Während die Tar Sands-Industrie bereits im Mai angefangen hat die gedrosselte Produktion wieder zu erhöhen[64][65][66] und nach eigenen Angaben Ende Juni auf Vollast laufen wollte,[67][68] begann die Rückkehr der evakuierten Einwohner*innen regionsbezogen stufenweise ab Anfang Juni[69][11], wobei generell das Tragen von Atemmasken[70] und Vollkörper-Schutzanzügen empfohlen wurde[71]. Inzwischen ist zumindest die Luftqualität[72] laut Alberta Air Quality Index von Anfang September auf niedrigem Gesundheitsrisiko-Niveau[73]. Drei Wohngebiete[74] mussten allerdings aufgrund von erhöhtem Auftreten von Toxinen, Furanen, Metallen und Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK)[75] als unbewohnbar eingestuft werden[76], der Zugang wurde beschränkt[77][78][79]. Bisher durften dort nur vereinzelte Anwohner*innen zurückkehren[80][81][82], aber bis Ende September sollen diese Gebiete dekontaminiert und wiederbesiedelbar sein[83][84][61][85][86][87][88][89].[69] Die allgemeine Rückkehrwilligkeit war aber deutlich niedriger als angenommen, denn immer mehr der sieben zum Beginn der eröffneten Wiederbesiedlung eingerichteten Informationszentren wurden binnen weniger Tage mangels Bedarf geschlossen[90][91], bis am 13. Juni[6] nach weniger als zwei Wochen das letzte davon den Betrieb einstellte - trotzdem waren immerhin 45.000 Anfragen bearbeitet worden, nur lagen die Erwartungen in den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung wohl deutlich näher an einer vollständigen Rückkehr aller Einwohner*innen[92]. Die Dienstleistungen der Informationszentren wurden daraufhin in reguläre Behörden verlegt[93].

Zerstörte Häuser, auch in den zur Wiederbesiedlung zugelassenen Gebieten, durften von ihren Bewohner*innen nur in Begleitung von Personal des von zwei US-Militärs gegründeten "Team Rubicon" besichtigt werden. Die Rettungsmaßnahmen und nun auch die Rückkehraktivitäten wurden von einer national aufgeladenen Politik des "alle müssen jetzt zusammen stehen" begleitet[70]. Dies wurde nicht nur in den Ansprachen hochrangiger Politiker*innen deutlich, sondern auch in den extra zu diesem Anlass zur Begrüßung an der Zufahrtsstraße aufgestellten Riesenfahnen der Provinz Alberta und Kanadas.[69]

Um die Verbreitung gesundheitsschädlicher Substanzen zu verhindern, wurden insbesondere bei vom Feuer zerstörten Grundstücken massenhaft sogenannte "tackifier" (dt.: "Klebrigmacher"[94]) eingesetzt, die vorhandene Schadstoffe und Asche binden und verhindern sollten, dass diese sich mit der Luft verbreiten[95]. Auf die verunsicherte Nachfrage von Anwohner*innen, ob diese "tackifier" womöglich toxisch seien, beschrieb die Regionalverwaltung die Stoffe als umweltverträglich[96].

Regionale indigene Unternehmen wurden während des Feuers zu 25 % des Auftragsvolumens des Bezirks Wood Buffalo für Brandbekämpfungsmaßnahmen eingesetzt[97].

Inzwischen wurde offenbar wieder zur Tagesordnung übergegangen[98][99][82][100][101], obwohl die Beseitigung der festgestellten chemischen Kontaminationen und anderer Feuerfolgen sicherlich noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Es scheint, dass Normalität suggeriert werden soll. Zumindest sind die kurzfristig eingeblendeten Warnmeldungen[102] von touristischen Internetseiten wie der des Oil Sands Recovery Centers, das am 1. Juli wiedereröffnet wurde[6], verschwunden[103] und mensch kann nun nicht einmal mehr erahnen, dass es die Katastrophe überhaupt gab. Dabei trat gerade das Propaganda-Museum der Tar Sands-Industrie als eines der Informationszentren während des Feuernotstands[104] auf[105]. Vielleicht hat die Lokalpolitik auch Angst, Tourist*innen abzuschrecken oder die angeschlagene Ölindustrie zu schwächen, indem der verheerende Brand weiterhin groß thematisiert wird. Ein Indiz dafür ist die plötzliche Umbenennung des Feuers auf der Statusupdate-Seite der Provinzregierung Albertas zu den 2016er Waldbränden am 10. Juni von "Fort McMurray wildfire", wie es hier in allen vorherigen 38 Updates und fast überall sonst auch genannt wurde, in "Rural Municipality of Wood Buffalo wildfire". Mit diesem "Update 39" wird die Berichterstattung an dieser Stelle beendet und nun nicht mehr von "wildfire", sondern von "recovery updates" gesprochen.[6] Es geht nun in der Zählung wieder bei "1" los und heißt jetzt "Wood Buffalo wildfire recovery update". Am 27. Juli wurde diese Update-Folge mit der 6. Ausgabe kommentarlos beendet.[93]

Offenbar gibt es in der Nähe der Stadt immer noch Sichtungen kleiner frischer Brandherde in schon verbrannten Gebieten durch Rückkehrer*innen, so dass in einem FAQ darauf eingegangen wird.[106] Die in der als "außer Kontrolle" bezeichneten Phase des Flächenbrands verhängten Verbote für jegliche offenen Feuer im Freien oder auch den Einsatz von Geländewagen ("Off-Highway Vehicles") waren zum Zeitpunkt der ersten Rückkehrphasen zwar noch in Kraft[107], wurden inzwischen aber gelockert[8].

Extra für Unternehmen, die nach Fort McMurray zurückkehren oder sich neu ansiedeln wollen, wurde nach dem Waldbrand vom Bezirk Wood Buffalo ein "Business and Economic Recovery Plan" installiert[108]. Teil davon sind als Sofortmaßnahmen einerseits ein von der Regierung Albertas finanziertes "Back to Business Resource Centre". Hier geht es ausschließlich um die Unterstützung erneuter Betriebsaufnahme in der Region.[98] Außerdem wurde Ende Mai/Anfang Juni eine spezielle, vom Kanadischen Roten Kreuz unterstützte, "Business Recovery Hotline" eingerichtet, wo Unternehmen mindestens zwei Wochen lang rund um die Uhr Ansprechpartner*innen bereitgestellt wurden[109].[110]


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  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 http://www.alberta.ca/release.cfm?xID=41701E7ECBE35-AD48-5793-1642C499FF0DE4CF - gesichtet 9. September 2016
  7. http://cwfis.cfs.nrcan.gc.ca/interactive-map?zoom=5&lon=-954172.34804766&lat=968141.16664878&month=7&day=4&year=2016 - gesichtet 8. September 2016
  8. 8,0 8,1 http://www.rmwb.ca/News-Room/RMWB-Wildfire-Information/2016/6/Municipal-Fire-Ban-Lifted.htm - gesichtet 9. September 2016
  9. Definition: "Ausgehend von Wetterlage und Einsatzkräften wird davon ausgegangen, dass der Waldbrand sich nicht unerwartet ausdehnen wird" - siehe:
    http://wildfire.alberta.ca/wildfire-status/wildfire-status-map.aspx - gesichtet 9. September 2016
  10. http://www.cbc.ca/news/canada/edmonton/fort-mcmurray-wildfire-now-considered-under-control-1.3664947 - gesichtet 8. September 2016
  11. 11,0 11,1 http://www.cbc.ca/news/canada/edmonton/fort-mcmurray-reentry-1.3594189 - gesichtet 8. September 2016
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Diese Seite ist ein Auszug einer Publikation aus unserer Kampagne im grünen blatt. Unter der Überschrift "Tar Sands": Nachhaltige Zerstörung von Urwäldern und Feuchtgebieten, Enteignung indigener Menschen und größter Einzelverursacher des Treibhauseffekts erscheint dort seit Anfang 2013 eine fortlaufende Artikelserie mit Hintergrundinformationen zu den Tar Sands.

Dieser Auszug ist Teil 10+11 der Artikelreihe entnommen. Weiterverwendung und Verbreitung unter Angabe der Originalquelle (grünes blatt) oder unserer Kampagne ist erwünscht!