Tar Sands-Kampagne

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Der Athabasca River ist das wichtigste Gewässer in der Region um Fort McMurray
Die Ausbeutung der Tar Sands-Vorkommen im Tagebau hinterlässt Mondkraterlandschaften

Eine Fläche so groß wie die Schweiz wird derzeit von nahezu allen Ölkonzernen in der kanadischen Provinz Alberta "umgegraben", um an die ölhaltigen Tar Sands heranzukommen. Es handelt sich dabei nicht nur um sensible ökologisch wertvolle boreale Wälder und Feuchtgebiete, sondern überwiegend auch um das Land indigener Menschen. Von Anfang an, schon vor Jahrzehnten, als die ersten Versuche der Ölförderung aus den Tar Sands in industriellem Maßstab begannen, wurden die indigenen Communitys ohne Kompensation enteignet und ihre "traditional lands", die viele kulturelle und historische Stätten beherbergen, verwüstet.


In Alberta befindet sich die größte bekannte Ölreserve der Welt: in Form von 1,7[1] - 2,5 Billionen Barrel Bitumen[2]. Nachteil dieser "nichtkonventionellen" Ölquelle im Vergleich zur ohnehin umweltschädlichen konventionellen Ölförderung ist die erforderliche industrielle Aufbereitung, bevor ein weiterverarbeitbares Rohöl gewonnen wird. Bei diesem als "Upgrading" bezeichneten Verfahren werden große Mengen an Kohlenstoffdioxid und anderen Schadstoffen freigesetzt und gewaltige Energiemengen verbraucht. Doch die gigantische Umweltzerstörung fängt schon beim Abbau an, der aus dem All sichtbare Mondlandschaften hinterlässt: unberührte Urwälder werden abgeholzt, riesige zusammenhängende Feuchgebiete trockengelegt, die sensible "Muskeg"-Moor-Landschaft abgetragen und dann im Tagebau enorme Kraterlandschaften gebildet. All das findet im wesentlichen auf dem Land indigener Menschen statt, denen ungefragt und unter Brechung kanadischen Rechts der Zutritt zu ihrem traditionellen Land versagt und die dort lagernden Rohstoffe geraubt werden - eine moderne Spielart des alten Kolonialismus.


Mit dieser Kampagne erarbeiten wir tiefergehende Informationen zur Tar Sands-Industrie und klären über die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Tar Sands auf. Wir wollen dabei über die Technologie informieren, auf Klimaeffekte hinweisen und die Tar Sands-Ausbeutung als eine Form von Neokolonialismus enttarnen. Dazu organisieren wir beispielsweise Vorträge, halten tieferführende Seminare zur Recherche ab und publizieren Artikel.

Tar Sands sind kein rein nordamerikanisches Thema - inzwischen wird das daraus gewonnene synthetische Rohöl auch in europäischen Raffinerien verarbeitet und demnach auch hierzulande eingesetzt. Es geht uns deshalb nicht nur um eine Solidarisierung mit den betroffenen Menschen und ein Einsetzen für die Bewahrung der Umwelt in Kanada, sondern auch um die Bedeutung, die die Tar Sands in Europa haben.


Diese Internetseite stellt von uns aufbereitete Informationen und Bildmaterial aus den betroffenen Gebieten bereit. Wir wollen hier auch kontinuierlich über den Widerstand in Nordamerika berichten und Möglichkeiten vorstellen, sich mit den seit Generationen unterdrückten indigenen Gemeinschaften zu solidarisieren, gegen die massive Umweltzerstörung aktiv zu werden und die Tar Sands-Industrie zu beenden. Diese Seite wurde 2016 eingerichtet und wird sich schrittweise entwickeln. Wir freuen uns über Unterstützung - wer helfen möchte, kann Kontakt zu uns aufnehmen.


  1. Suncor-Tar Sands-Sightseeing-Busexkursion am 6.6.2009
  2. In einem 2013er Tar Sands-Werbeprospekt der kanadischen Regierung ist dagegen die Rede davon, dass es sich bei Kanadas Tar Sands um eine nachgewiesene Reserve von 169 Milliarden Barrels, und damit die weltweit drittgrößte Rohöl-Lagerstätte handele.
    Oil Sands. A strategic resource for Canada, North America and the global market; Government of Canada; 2013
    www.nrcan.gc.ca/sites/www.nrcan.gc.ca/files/energy/files/12-0608-Oil-Sands-Land-Use-and-Reclamation-eng.pdf